- 10. Juli 2001 Nr. 108
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Dirigistisches Chaos
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Die Redaktion von Heuersdorf Aktuell war stets bemüht,
nachprüfbare Informationen über die regionale
Energiepolitik zu verbreiten. In Ausgabe Nr. 106 wurde angemerkt,
dass die Sächsische Staatsregierung weiterhin an der
Abbaggerung von Heuersdorf festhalten würde. Immerhin hatte
Anfang Mai Umweltminister Steffen Flath "einen neuen Entwurf
des 'Heuersdorf-Gesetzes' noch im Jahr 2001" in Aussicht
gestellt.
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Wie jedoch in Nr. 107 berichtet wurde, gab Wirtschaftsminister Kajo
Schommer am 18. Mai die vorherige Beauftragung weiterer Gutachten im
Sächsischen Landtag bekannt. Erst in Abhängigkeit von
deren Ergebnis soll über das Gesetz entschieden werden.
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Über diese neue Vorgehensweise wurde Heuersdorf erst einen
Monat später benachrichtigt (s. Dokumentation). Wir sind ja
schließlich nur die Betroffenen.
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Die Redaktion
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Aktuelle Nachrichten
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Hochburg der Demokratie: Sowohl beim ersten als auch beim
zweiten kommunalen Wahlgang am 10. und 24. Juni wurde in der
Gemeinde Heuersdorf die höchste Wählerbeteiligung im Kreis
Leipziger Land erreicht (Leipziger Volkszeitung 26.06.2001, Ausgabe
Borna; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 106).
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Neue Sachlage: Die Stadtwerke Leipzig GmbH (SWL) verzeichnete
im Geschäftsjahr 2000 einen geringfügig verminderten
Gesamtumsatz von 740 Millionen DM (Leipziger Volkszeitung,
27./29.06.2001, www.swl.de;
s. Heuersdorf Aktuell Nr. 103, 104, 106, 107). Geschäftsführer
Wolfgang Wille kritisierte die für Ostdeutschland weiterhin
geltende Braunkohleschutzklausel. Trotz spürbarer Wirkung des
liberalisierten Strommarktes würden noch nicht die gleichen
Wettbewerbsbedingungen wie in den alten Ländern herrschen (s.
Dokumentation). Mit der Fusion von HEW, Bewag, Veag und Laubag
könnte die Klausel zwar fallen, doch durch die nunmehr
angezeigte Annäherung der Regionalversorger Meag und Envia
würde den Stadtwerken ein ruinöser Wettbewerb drohen.
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Fossilfreie Perspektiven: Thüringens Umweltminister
Volker Sklenar hat eine weitere CO2-Minderung um
6 Prozent bis 2010 u. a. durch den verstärkten Anbau und
energetischen Einsatz nachwachsender Rohstoffe angekündigt
(Ostthüringer Zeitung, 27.06.2001). Bei der Vestas Deutschland
GmbH entstehen ca. 300 Arbeitsplätze in der neuen
Produktionsstätte für Windkraftrotoren in
Lauchhammer/Brandenburg (Lausitzer Rundschau, 28.06.2001). Die
Technischen Werke Delitzsch (TWD) wollen durch die Errichtung eines
Biomasse-Heizkraftwerks etwa 45 Arbeitsplätze für
Beschäftigte der vor der Schließung stehenden Delitzscher
Zuckerfabrik schaffen (Leipziger Volkszeitung, 29.06.2001).
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UVP ungelegen: Das Oberverwaltungsgericht (OVG)
Frankfurt/Oder hat den Verzicht auf die
Umweltverträglichkeitsprüfung in den Braunkohletagebauen
Cottbus-Nord und Jänschwalde für zulässig erklärt
(Berliner Zeitung, 29.06.01; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 82). Damit
gelten die Rahmenbetriebspläne weiter, in denen eine
Abbaggerung des Lausitzer Dorfes Horno Ende 2002 vorgesehen ist. Die
klageführende Grüne Liga kündigte an, gegen das
OVG-Urteil Berufung beim Bundesverwaltungsgericht einlegen zu
wollen.
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Erbmasse: Nach der Erkenntnis von Rüdiger Pohl, dem
Präsidenten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle
(IWH), sei die qualitative Lücke zwischen Ost- und
Westunternehmen weit größer, als das derzeitige
statistische Defizit von rund 20 Prozent bei den Unternehmenszahlen.
(Mitteldeutsche Zeitung, 02.07.2001). Daran werde sich auch nichts
ändern, so lange das Bild des Ostens von "erschreckender
Unwissenheit und platten Vorurteilen geprägt" sei. "Kein
ausländischer Investor kommt in eine miese Stimmung hinein, und
junge, qualifizierte Leute werden weiterhin weglaufen."
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Gas und Gips: Vorbehaltlich einer zehnjährigen
Mineralölsteuerbefreiung wollen die zu HEW gehörende
Concord Power GmbH & Co. Lubmin KG (www.concordpower.de)
sowie die (am Kraftwerk Lippendorf zu 25 Prozent beteiligte)
Energie Baden-Württemberg (EnBW) jeweils ein
1200-MW-Gaskraftwerk in Lubmin errichten (Financial Times
Deutschland, 20.06.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 35, 36, 38). In
der Hafenstadt Stralsund entsteht eine Entladestation für
jährlich bis zu 100.000 Tonnen Rauchgasentschwefelungsgips aus
dem Kraftwerk Jänschwalde, welcher in Norwegen zu Gipsplatten
weiterverarbeitet wird (Ostsee-Zeitung, 03.07.2001). Am Standort des
Kraftwerks Lippendorf ging die für 88 Millionen DM errichtete
Gipsplattenfabrik des französischen Baustoff-Konzerns Lafarge
mit 78 Beschäftigten in Betrieb (Leipziger Volkszeitung,
07.07.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 67, 71, 86, 93). Vorerst
werden pro Jahr 250.000 (von insgesamt 900.000) Tonnen
Entschwefelungsgips verarbeitet. Die maximale Jahreskapazität
beträgt 400.000 Tonnen.
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Spitzenergebnis: Im Geschäftsjahr 2000/2001 hat die
Lausitzer Braunkohle AG (Laubag) 56,7 Millionen Tonnen
Rohbraunkohle, oder 13 Prozent mehr als im Vorjahr, gefördert
(Lausitzer Rundschau, Neues Deutschland, 06.07.2001). Hierbei stieg
die Nachfrage der Veag-Kraftwerke um zehn Prozent auf 52 Millionen
Tonnen, während der Absatz von Briketts, Braunkohlestaub und
Wirbelschichtkohle geringfügig auf 1,3 Millionen Tonnen
zurückfiel. Die Anzahl der Beschäftigten ging um knapp
fünf Prozent auf 5.646 zurück.
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Dokumentation
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Horst Bruchmann, "Heuersdorf - wie weiter?",
Gemeinsame Zeitung, 09.07.2001: "Im Verlauf des
Informationsaustausches erläuterte Dr. Jantsch (vom
Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit),
dass ein Festhalten an der Devastierung von Heuersdorf nur dann
erfolgt, wenn verfassungsrechtlich gesichert werden kann, dass aus
Allgemeinwohlbelangen auch nach der Strommarktliberalisierung die
Vernichtung von Ortschaften gerechtfertigt ist. Zur Prüfung
dieser Bedingung hat die Staatsregierung ein Gutachten in Auftrag
gegeben, das durch den an der Universität in Köln tätigen
Verfassungsrechtler Prof. Tettinger erarbeitet werden soll. Die
Erstellung wird etwa Ende Oktober abgeschlossen sein. (...) Je nach
Ergebnis dieses Gutachtens trifft die Regierung dann die
Entscheidung zur Bearbeitung eines neuen Heuersdorfgesetzes."
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Website der Naturpur AG,
www.naturpur-ag.de/seiten/preise/index/i_preise.htm:
"In den neuen Bundesländern ergibt sich aufgrund der
erhöhten Durchleitungsentgelte ein Aufpreis von 2 Pf/kWh auf
den Nettoverbrauchspreis."