- 27. März 2002 Nr. 119
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- Klimaschutz auf dem Ruhekissen
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- Die 2. Energiekonferenz der PDS Sachsen am 9. März in
Heuersdorf war ein höchst bemerkenswertes Ereignis. Während
ein Vertreter des Sächsischen Landesamtes für Umwelt und
Geologie vor den verheerenden klimatischen Folgen aus der Emission
von Treibhausgasen warnte, vertrat sein Kollege vom
Landesumweltministerium den Standpunkt, dass die
Großfeuerungsanlagen von jeder Verpflichtung zur Reduzierung
von Treibhausgasemissionen befreit bleiben können. Demnach
dürfen die Braunkohlenkraftwerke über vier Jahrzehnte
weiterlaufen, obwohl die sächsischen CO2-Emissionen im
Vergleich zu den späten 90er Jahren bereits wieder angestiegen
sind.
- Das "Klimaschutzprogramm" des Freistaates täuscht
Handlungsbereitschaft vor, die gerade bei den größten
Emittenten kaum vorhanden ist. Nach Meinung des umweltpolitischen
Sprechers der Bündnisgrünen, Reinhard Loske, neigen
klimapolitische Selbstverpflichtungen der Industrie nur dazu, "Dinge
zu versprechen, die ohnehin gerade passieren" (Der
Tagesspiegel, 22.03.2002).
Die Redaktion
- Aktuelle Nachrichten
- Standortbestimmung: Auf der 2. Landesenergiekonferenz
bezeichnete die Vorsitzende der sächsischen PDS, Cornelia
Ernst, die zehnjährige Verweigerung von Fördermitteln für
Heuersdorf als "Skandal" (Leipziger Volkszeitung,
11.03.2002, Neues Deutschland, 12.03.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr.
117, 118, Rückblende). Bürgermeister Horst Bruchmann
beklagte die unverantwortliche Absicht der Sächsischen
Staatsregierung, trotz Energieüberflusses und
umweltfreundlicher regenerativer Ressourcen den Ort abzubaggern.
"Die Großkraftwerke und deren gewaltiger Ausstoß an
CO2" bleiben im sächsischen
Klimaschutzprogramm unberücksichtigt, obwohl rund 43 Prozent
des in Sachsen anfallenden Kohlendioxid aus Großfeuerungsanlagen
stammen. Nach einer Studie der Freien Universität Berlin und den
aktuellen Analyseergebnissen des Sächsischen Landesamtes für
Umwelt und Geologie wird in den kommenden 50 Jahren die Temperatur
in Sachsen um etwa 3 Grad Celsius steigen (s. Heuersdorf Aktuell Nr.
49, 92, 94). Die Ökosysteme des Waldes und der Wasserhaushalt
sind dadurch gefährdet.
- Gebot der Stunde: Der Sachverständigenrat für
Umweltfragen der Bundesregierung hat gefordert, den von der
Europäischen Kommission ab 2005 geplanten Handel mit
Umweltzertifikaten trotz des Widerstands von Arbeitgebern und
Gewerkschaften zügig einzuführen (Berliner Zeitung,
11.03.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 79, 112, 113, 118). Nach
Ansicht der Ratsvorsitzenden, Gertrude Lübbe-Wolff, könnten
alle Beteiligten "von einem richtig ausgestalteten Handel mit
CO2-Zertifikaten profitieren." Die von der
EU dazu vorgelegte Richtlinie ist allerdings nach Meinung von
Bundeswirtschaftsminister Werner Müller "rundum
undurchdacht" (Kölnische Rundschau, 11.03.2002).
- Bunte Vielfalt: In den ehemaligen Tagebauen des Leipziger
Südraums sind bislang 256 Vogelarten festgestellt worden
(Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 14.03.2002). Einige
bestandsbedrohte Arten benötigen die dort reichlich vorhanden
Rohböden als Lebensraum.
- Kurve gekriegt: Die Bundesregierung hat im Rahmen des
Zukunftsinvestitionsprogramms bis 2003 insgesamt 10 Millionen Euro
für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zu solarthermischen
Kraftwerken an Standorten südlich des 40. Breitengrades zur
Verfügung gestellt (www.bmu.de;
Neues Deutschland, 18.03.2002). Unterschiedliche technische Konzepte
von der Parabolrinnentechnologie bis zum Solarturm werden
untersucht.
- Sanierung statt Zerstörung: In Heuersdorf wird das
Sportlerheim durch freiwillige Leistungen der Fußballer
renoviert (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 21.03.2002). Der
Sportverein ("Heuersdorf 1920") hat 650 Euro für
Materialkosten von der Gemeinde erhalten.
- Suche nach Nachhaltigkeit: Die Vereinigte Energiewerke AG
(Veag) prüft die erweiterte Verbrennung von Müll oder
Klärschlamm in ihren Braunkohlekraftwerken (Märkische
Oderzeitung, 22.03.2002). In Boxberg wurden im Vorjahr über
100.000 Tonnen Abfälle der Kohle beigemischt. Mit weiteren
Investitionen wäre technisch das Dreifache dieser Menge möglich
(entsprechend einem 2prozentigen Substitutionsgrad). Die
Verarbeitung von Klärschlamm aus Berlin zu Methanol durch das
Sekundärrohstoff-Verwertungszentrum (SVZ) in Schwarze Pumpe ist
hingegen sehr energieintensiv und höchst defizitär
(Berliner Morgenpost, 25.03.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 95).
Einwohner von Auligk beschweren sich über Windkraftanlagen im
benachbarten Sachsen-Anhalt wegen optischer und akustischer
Störungen sowie vermuteten Einflusses auf die Herztätigkeit
(Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 27.03.2002; s. Heuersdorf
Aktuell Nr. 16, 52).
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- Thermodynamikslehre widerlegt: Die Leipziger Firma
Service & Vertrieb verspricht mit dem auf Schwerkraft
basierenden Energiewandler von der Felix Würth AG die Erzeugung
von 700 Prozent mehr Energie, als zum Antrieb des Aggregats benötigt
wird (Die Tageszeitung, 25.03.2002). Zur Realisierung des ersten
funktionsfähigen Musters sollen 10 Millionen Euro über den
Verkauf von Genussscheinen angeworben werden.
- Rückblende
- "Alternatives Landesentwicklungskonzept soll
Biedenkopf-Zentralismus ablösen", PDS-Pressedienst
(Sachsen), Nummer 14, 06.04.2001: "Unsere Formel '30 Jahre
Braunkohle, mindestens 300 Jahre Heuersdorf' verdeutlicht die
Perspektive: Braunkohle ist der Garant des sicheren Übergangs
zur Zeit nach der Nutzung der fossilen Brennstoffe, nicht weniger,
aber auch nicht mehr."
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- "Sachsen gerecht werden: ökonomisch, ökologisch
und sozial", 7. Landesparteitag der PDS Sachsen,
24./25.11.2001: "Aus energiewirtschaftlicher Sicht ist der
Abriss von Heuersdorf unsinnig. Es gibt keine Gemeinwohlinteressen -
wie etwa die Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft mit
ausreichend Strom und Wärme -, die den Abbau der Braunkohle
unter Heuersdorf rechtfertigen könnten. Vielmehr sind es die
betriebswirtschaftlichen Interessen der MIBRAG und VEAG sowie deren
politische Instrumentalisierung, die die Devastierung des Ortes und
die Zwangsumsiedlung der Einwohnerinnen und Einwohner fordern. Genau
aus diesem Grund lehnen wir die Devastierung von Heuersdorf ab. Der
Kampf für den Erhalt des Dorfes ist zum Symbol für den
Kampf gegen die atomar-fossile Energiewirtschaft und für eine
beschleunigte Energiewende in Sachsen geworden. Heuersdorf muss zur
Förderung der Dorfentwicklung angemessen entschädigt
werden."