05. Mai 2006 Nr. 177

Globale Hitzehaube

Nach Erkenntnis der Organisation für Weltmeteorologie WMO hat die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in der Erdatmosphäre einen historischen Höchststand erreicht (The Calgary Sun, 15.03.2006). Infolge von Naturkatastrophen erlitt die Versicherungsindustrie 2005 klimatisch bedingte Verluste von bis zu 60 Milliarden Dollar (IPS News, 14.03.2006). Die Allstate Insurance Group hat 40.000 Kunden im US-Bundesstaat New York mitgeteilt, dass wegen des erhöhten Sturmrisikos ihre Versicherungsverträge nicht erneuert werden sollen (The New York Times, 10.03.2006).

Die Folgen des Klimawandels beschränken sich auch nicht auf die Gefährdung von Privateigentum. Ein geheimgehaltener Bericht des Pentagons an den US-Präsidenten sagt ein "sibirisches" Klima bis 2020 für Großbritannien voraus (The Observer, 22.02.2006). Atomkriege, Mega-Dürren, Hungersnöte und Volksaufstände würden sich auf der ganzen Welt ausbreiten.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Baggerfeld: Für die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) muss bis 2008 Heuersdorf "leer gewohnt und komplett devastiert sein" (Leipziger Volkszeitung, Borna/Geithain, 24.02./29.04./04.05.2006). Der nördlichste, (weitestgehend) unbewohnte Ortsteil wird bereits bis Ende dieses Jahres abgerissen. Zu diesem Zeitpunkt sollen gegen alle Bewohner, die zur Umsiedlung nicht bereit sind, Grundabtretungsverfahren eingeleitet werden. Diese könnten allerdings nach Angabe der für Liegenschaftsangelegenheiten zuständigen Mibrag-Mitarbeiterin Regina Meßinger zu privaten Rechtsstreitigkeiten führen. Die beiden Heuersdorfer Friedhöfe sind bereits Ende Januar auf Anordnung des Landratsamts Leipziger Land geschlossen worden. Gemäß Beschluss des Stadtrats Regis-Breitingen können nun alle städtischen Liegenschaften in Heuersdorf an die Mibrag verkauft werden. Für den Sprecher von "Für Heuersdorf e. V.", Dirk Reinhardt, müssen die in Aussicht stehenden Einnahmen "in beträchtlicher Höhe" in die Struktur des neuen Umsiedlungsstandortes der Heuersdorfer fließen. Alles andere sei "inakzeptabel und wäre skandalös". Die Verkäufe sollten auch erst nach Auszug aller Einwohner getätigt werden, da verschiedene Gebäude wie etwa das Sportlerheim noch in Nutzung seien. Nach Angabe des neuen Heuersdorf-Beauftragten, Andreas Gey, würden noch 44 Familien im Ort wohnen. Sie wollen nicht an den von Regis vorgesehenen Standort "Am Wäldchen" ziehen (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 164, 165, 168, 171, 175).

Profit durch Klimawandel: Die EU-Kommission hat das Volumen des europaweiten CO2-Emissionshandels für 2006 auf über 22 Milliarden Euro veranschlagt (Welt am Sonntag, 19.03.2006; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 152, 159). Die daraus erzielten Unternehmensgewinne für den Handelszeitraum der Jahre 2005 bis 2012 summieren sich nach Erkenntnis des World Wide Fund for Nature (WWF) auf insgesamt 53 Milliarden Euro. Für den Bund der Energieverbraucher grenzen steigende Strompreise angesichts kostenlos verteilter Emissionszertifikate "an Wirtschaftskriminalität" (Die Tageszeitung taz, 14.03.2006).

Betriebserweiterung: Die Mibrag hat die erste Braunkohle aus dem neuen Abbaufeld Schwerzau des Tagebaus Profen gefördert (Mitteldeutsche Zeitung, 21.03.2006; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 146, 171). Bei einer jährlichen Fördermenge von bis zu neun Millionen Tonnen müssen etwa 37 Millionen Kubikmeter Abraum bewegt und 40 Millionen Kubikmeter Wasser gehoben werden. Das Kraftwerk Schkopau, die Südzucker AG Zeitz und die Stadtwerke Dessau sind Hauptabnehmer der Kohle. Ende August wird in Sössen bei Lützen mit mehr als 200 Probebohrungen zur Erkundung der dortigen Braunkohlevorkommen begonnen (Freie Presse, 29.04.2006; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 151, 176). Das Unternehmen hat den Bau eines neuen Kraftwerks am Standort Profen angekündigt, das spätestens 2015 ans Netz gehen soll.

Baggern statt schützen: Ein halbes Jahr vor der geplanten Zerstörung der Lacomaer Teiche durch die Vattenfall Europe AG gibt es nach Erkenntnis von René Schuster von der Grünen Liga (23.03.2006) "noch immer keine verbindliche Regelung für Ausgleich und Ersatz" des dortigen Flora-Fauna-Habitats (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 117, 130, 132, 140, 145, 173). Der Braunkohlenplan sei noch nicht verbindlich und könnte infolge einer anstehenden Prüfung der Europäischen Kommission "im Sinne eines Erhaltes der Lacomaer Teiche geändert" werden müssen.

Fossiler Wirtschaftsmotor: In der von Vattenfall (20.04.2006) beauftragten Studie "Energie- und regionalwirtschaftliche Bedeutung der Braunkohle in Ostdeutschland" der Prognos AG wurde ermittelt, dass rund 23.600 Arbeitsplätze direkt oder indirekt durch die ostdeutsche Braunkohlenindustrie gesichert werden. Am Wichtigsten sei die Braunkohlenwirtschaft für den Spree-Neiße-Kreis (2.124 Beschäftigte), den Niederschlesischen Oberlausitzkreis (1.380), die Stadt Cottbus (1.290) sowie Hoyerswerda (872) und das Leipziger Land (813). Für René Schuster von der Grünen Liga (03.05.2006) ist die Studie als "unseriöser Dummenfang" einzuordnen. Bei der aufgezeichneten 3,9 Millarden Tonnen Braunkohle, die in der Lausitz als abbauwürdig gelten, müssten "54 Siedlungen vollständig und 9 teilweise zerstört werden".

Leichtes Geld: Der schwedische Mutterkonzern von Vattenfall hat im ersten Quartal 2006 einen Betriebsgewinn von 12,5 Milliarden Kronen (1,3 Milliarden Euro) erzielt (Der Tagesspiegel, 28.04.2006). Rund zwei Drittel der Gewinnsteigerung von rund 50 Prozent stammten aus der ökologisch schädlichen Braunkohleverstromung in Deutschland, während Vattenfall in Schweden einer strengen Umweltkontrolle unterliegt. Aus diesem Grund wurde die Hauptversammlung in Stockholm von Protesten der Umweltorganisation Robin Wood begleitet (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 26, 128, 140, 145, 152, 153, 168, 173).

Kohle bleibt: Für Clemens Tauber, Sprecher der Eon-Kraftwerke-Gesellschaft, sei die Windenergie "kein Beitrag zur Versorgungssicherheit" (Mitteldeutsche Zeitung, 04.05.2006). Der Wirkungsgrad des firmeneigenen Braunkohlekraftwerks Schkopau soll mit Hilfe neuer Werkstoffe von heute 40 Prozent auf 50 Prozent im Jahr 2020 erhöht werden.