Deutsche
Meteorologische Gesellschaft e.V. (DMG)
Stellungnahme
zu Klimaänderungen
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- C.-D. Schönwiese unter
Mitwirkung von M. Claussen, U. Cubasch, H. Fischer, H. Graßl,
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- S. Rahmstorf u.a. (DMG-Vorstand: W.
Wehry, U. Gärtner, J. Sündermann) - herausgegeben zum 26.
März 2001
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- [Kurzfassung]
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- In Übereinstimmung mit den
Verlautbarungen internationaler Gremien und auf der Grundlage der in
Deutschland erarbeiteten umfangreichen Ergebnisse der Klimaforschung
weist die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) darauf hin,
dass die beobachteten weltweiten Klimaänderungen andauern.
Vielfach haben sie sich in den letzten beiden Jahrzehnten sogar
verstärkt. Dabei war im globalen Mittel 1998 nicht nur das
wärmste Jahr seit dem Beginn der systematischen weltweiten
Messungen (1856), sondern aufgrund indirekter Rekonstruktionen
nordhemisphärisch sogar mindestens der letzten 1000 Jahre. Im
20. Jahrhundert ist der Temperaturanstieg in Deutschland mit 0,9 °C
gegenüber global gemittelt etwa 0,6 °C überdurchschnittlich
groß und das Jahr 2000 das wärmste seit 1761 gewesen.
Beim Niederschlag sind innerhalb Europas eine Zunahme in
Skandinavien und eine Abnahme im Mittelmeergebiet am
signifikantesten. In Deutschland steht einem deutlichen Anstieg der
Winterniederschläge eine leichte Abnahme der
Sommerniederschläge gegenüber. Im einzelnen sind die
Klimaänderungen aber sehr vielfältig, weil sich nicht nur
Langfristtrends, Fluktuationen und relativ kurzfristige Anomalien
sowie Extremereignisse überlagern, sondern auch ausgeprägte
regional-jahreszeitliche Besonderheiten auftreten.
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- Um diese Strukturen der
Klimaänderungen auch in Zukunft adäquat verfolgen und im
Kontext mit der Klimageschichte sinnvoll interpretieren zu können,
hält es die DMG für dringend notwendig, die
Informationsbasis kontinuierlich zu verbessern, zum einen durch die
Fortführung und möglichst noch den Ausbau derzeitiger
Beobachtungssysteme, zum anderen durch die möglichst
vollständige und genaue Erfassung der Klimadaten der
Vergangenheit sowie verstärkte Anstrengungen bei der Analyse
dieser Daten. Einsparungen bei der im Vergleich zu vielen Projekten
der Hochtechnologie kostengünstigen Erhebung von Klimadaten,
insbesondere was die Fortführung und Auswertung langjähriger
Beobachtungsreihen betrifft, sind daher nicht nur wissenschaftlich
schädlich, sondern setzen auch falsche Akzente.
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- Auch wenn die Ursachen der
beobachten Klimaänderungen kompliziert sind und die Rolle der
natürlichen Klimaänderungen noch keinesfalls ausreichend
geklärt ist, geht die globale Erwärmung der letzten 100 -
150 Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit auf menschliche Aktivitäten
zurück, insbesondere auf den ständig gestiegenen Ausstoß
von Kohlendioxid (CO2) und anderen
klimawirksamen Spurengasen in Zusammenhang mit der Nutzung fossiler
Energieträger (Kohle, Erdöl und Erdgas, einschließlich
Verkehr) und Waldrodungen. Falls die Emission dieser Gase weiterhin
ähnlich stark ansteigt wie bisher, wird für die kommenden
100 Jahre im globalen Mittel ein Temperaturanstieg von 1,4 - 5,8 °C
befürchtet. Die große Bandbreite dieser Abschätzungen
erklärt sich überwiegend aus den Unsicherheiten der
Zukunftsszenarien menschlicher Aktivitäten, aber auch den noch
immer bestehenden Schwächen der Klimamodellierung. Daher müssen
unter anderem die Effekte von Wolken und atmosphärischen
Partikeln in der Atmosphäre, das ozeanische Strömungssystem
sowie die Rolle der Ökosysteme im Klimageschehen noch
wesentlich besser verstanden werden. Weiterhin muss es gelingen, zu
verlässlicheren Aussagen hoher regionaler Auflösung zu
kommen und das zeitliche Schwankungsverhalten, einschließlich
dem Auftreten von Extremereignissen, realistischer wiederzugeben.
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- Es gibt somit noch viele offene
Fragen der Klimadiagnostik, Klimamodellierung und nicht zuletzt der
ökologisch-sozioökonomischen Auswirkungen von
Klimaänderungen. Dies erfordert verstärkte Anstrengungen
in der gesamten Bandbreite der Klimaforschung, wobei bei aller
Notwendigkeit anwendungsbezogener Forschung die Grundlagenforschung
nicht vernachlässigt werden darf. Andererseits reichen die
derzeitigen Kenntnisse zweifellos aus, um international abgestimmte,
effektive und baldige Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen.
Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit sind dazu aufgefordert,
sich mit allem Nachdruck dafür einzusetzen. Dies betrifft auch
und insbesondere die Konkretisierung der UN-Klimarahmenkonvention
(Rio de Janeiro, 1992) und die Umsetzung des Kyoto-Protokolls (3.
Vertragsstaatenkonferenz, 1997). Der Misserfolg von Den Haag (Nov.
2000) muss überwunden werden, wenn diese 6.
Vertragsstaatenkonferenz im Juli 2001 in Bonn fortgesetzt wird.
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- [Ausführliche Stellungnahme]
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- Die Deutsche Meteorologische
Gesellschaft e.V. (DMG) sieht in der Sachinformation der
Öffentlichkeit zu grundlegenden Fragen und aktuellen Problemen
der Wissenschaft der Atmosphäre eine ihrer vordringlichen
Aufgaben. Dies betrifft auch die Problematik der Klimaänderungen,
die in der Öffentlichkeit zunehmend kontrovers und nicht immer
sachkundig diskutiert wird. In Übereinstimmung mit
wissenschaftlichen Gremien, insbesondere den zentralen Aussagen des
UN Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), an denen einige
ihrer Mitglieder mitgewirkt haben, und auf der Grundlage der
umfangreichen Ergebnisse der in Deutschland betriebenen
Klimaforschung nimmt sie hier erneut Stellung und leistet so einen
Beitrag zur Klärung dieser Problematik.
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- Zunächst zu den Beobachtungen
und somit Fakten: Auch im Jahr 2000 lag der globale Mittelwert der
bodennahen Lufttemperatur mit einer Abweichung von +0,3 °C
gegenüber dem Mittelwert 1961-1990 ähnlich hoch wie 1999.
Er erreichte aber nicht den bisherigen Rekordwert des Jahres 1998
(+0,5 °C), das offenbar nicht nur das wärmste Jahr seit
1856, dem Beginn der systematischen weltweiten Messungen, sondern
aufgrund vieler indirekter Indizien nordhemisphärisch
mindestens der letzten 1000 Jahre gewesen ist. Dabei haben sich im
Jahr 1998 der Langfristtrend globaler Erwärmung, der im 20.
Jahrhundert 0,6 +/- 0,2 °C betragen hat, und das starke El Niño
- Ereignis 1997/98 überlagert. Im Rahmen dieses Langfristtrends
ordnet sich das Jahr 2000 in die zehn wärmsten Jahre (seit
1856) ein, die alle ab 1983 aufgetreten sind.
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- Je nach Region und Jahreszeit sind
die Temperaturtrends jedoch sehr unterschiedlich. Die Erwärmung
der letzten 100 Jahre war in den kontinentalen Bereichen der
mittleren und hohen geographischen Breiten der Nordhalbkugel der
Erde am stärksten, und dies vor allem im Winter. Kleinere
Regionen haben sich dagegen abgekühlt, beispielsweise ein
kleiner Teil des Nordatlantiks bei Grönland sowie ebenfalls
kleinere Teilbereiche der südhemisphärischen Ozeane und
der Antarktis. In Deutschland hat sich die bodennahe Lufttemperatur
in den letzten 100 sogar stärker erhöht als im globalen
Mittel, nämlich um 0,9 °C, wobei in diesem Fall das Jahr
2000 das bisher wärmste gewesen ist: 9,9 °C, das heißt
1,6 °C über dem Mittelwert 1961-1990. In den letzten 30
Jahren sind dabei vor allem die Winter wärmer geworden, und
zwar im Mittel um mehr als 1,5 °C; aber auch im Frühling
und Sommer ist diese Erwärmung mit rund einem halben Grad recht
deutlich.
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- Der Niederschlag hat im weltweiten
Mittel ebenfalls zugenommen, jedoch zeigen sich bei diesem
Klimaelement noch viel ausgeprägtere jahreszeitliche und
regionale Besonderheiten als bei der Temperatur. Mit Blick auf
Europa sind vor allem ein drastischer Niederschlagsrückgang im
östlichen Mittelmeerraum, in den letzten 30 Jahren um bis zu
ca. 50%, und eine Zunahme in Südskandinavien hochsignifikant.
In Deutschland findet man die stärksten Effekte wiederum im
Winter, wo eine kräftige Zunahme um etwa ein Viertel zu
verzeichnen ist, im Sommer dagegen eine leichte Abnahme. Diese
winterliche Niederschlagszunahme, die besonders im Westen und Süden
Deutschlands ausgeprägt ist, trägt sicherlich zum
häufigeren Hochwasser bei. Dabei ist besonders bedeutend, dass
dies - und nicht nur in Deutschland - häufig mit einer Zunahme
extremer Niederschlagsereignisse verbunden ist. Die milder und
niederschlagsreicher werdenden Winter Mitteleuropas stehen
sicherlich in Zusammenhang mit einer sehr markanten Umstellung der
atmosphärischen Zirkulation. Dies äußert sich in
einer größeren Häufigkeit und Andauer von
Wetterlagen mit vorherrschend westlicher Luftströmung.
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- Weltweit ist die
Versicherungswirtschaft über die Zunahme der
volkswirtschaftlichen Schäden durch Naturkatastrophen, wie
unter anderem Stürme und Überschwemmungen, beunruhigt.
Nach Erhebungen der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft
sind diese Schäden im Jahrzehnt 1990-1999 gegenüber
1960-1969 inflationsbereinigt um den Faktor 8,6 auf rund 1200 Mrd.
DM angestiegen, wobei aber sicherlich auch Effekte wie zunehmende
Besiedlung und Bebauung gefährdeter Gebiete zur
Schadensexplosion wesentlich beigetragen haben. Zudem ist es
fraglich, ob die Sturmhäufigkeit langfristig wirklich
zugenommen hat; denn tropisch wie außertropisch scheinen
bisher eher Fluktuationen überwogen zu haben, so dass
systematische und signifikante Trends im 20. Jahrhundert kaum
erkennbar sind. Dies zeigt, dass gerade die Problematik der
Extremereignisse, hinsichtlich der zeitlichen und
regional-jahreszeitlichen Struktur ihres Auftretens, neben der
Erfassung von Trends und Fluktuationen noch besonderer
Forschungsanstrengungen bedarf. Dies gilt im übrigen nicht nur
für Stürme, Orkane und Tornados, sondern auch für
Hitzewellen, extreme Kälte, Starkniederschläge, Hagel,
Dürren usw.
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- Trotzdem kann es über die
Klimaänderungen des vergangenen Jahrhunderts als
Beobachtungstatsache keinen Zweifel geben. Wahrscheinlich handelt es
sich dabei in der globalen und quantitativen Ausprägung um
einen nicht nur für die letzten 1000, sondern vielleicht sogar
10 000 Jahre (nach Ende der letzten Eiszeit) einmaligen Vorgang,
auch weil die vor ca. 1000 Jahren aufgetretene relativ warme
Klimaepoche ("Mittelalterliches Klimaoptimum"), der in
mehreren Wellen bis zum Ende des letzten Jahrhunderts die "Kleine
Eiszeit" folgte, eher ein regionales Phänomen gewesen zu
sein scheint. Bei der Bewertung der derzeitigen Klimaänderungen
ist im übrigen zu berücksichtigen, dass die global und
jeweils über einige Jahrzehnte gemittelte bodennahe
Lufttemperatur in den letzten 10 000 Jahren eine Schwankungsbreite
von ca. +/- 1 °C nie überschritten hat. Der davor
eingetretene Eiszeit-Warmzeit-Übergang lässt sich durch
einen entsprechenden Temperaturunterschied von ca. 4 - 6 °C
kennzeichnen, der im übrigen von abrupten Klimaänderungen
überlagert war, während das Klima der Nacheiszeit, d.h.
der letzten rund 10 000 Jahre, bisher offenbar bemerkenswert stabil
gewesen ist.
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- Ursachen der beobachteten
Klimaänderungen können Natur und Mensch sein. In der
zeitlichen Größenordnung von Jahren bis Jahrhunderten
sind dabei, als natürliche Mechanismen, der explosive
Vulkanismus, Änderungen der solaren Strahlungsflussdichte (u.a.
durch Sonnenaktivität) sowie interne Wechselwirkungen im
Klimasystem zu beachten, insbesondere zwischen Atmosphäre und
Ozean, die beispielsweise zu Phänomenen wie El-Niño-Ereignissen
und der Nordatlantischen Oszillation führen. Dagegen beruht der
atmosphärische Konzentrationsanstieg des Kohlendioxids (CO2)
von rund 280 ppmv (= 0,028 Volumenprozent) um das Jahr 1800 auf ca.
370 ppmv im Jahr 2000, dem höchsten Wert mindestens der letzten
400 000 Jahre, wahrscheinlich sogar 20 Jahrmillionen, auf
anthropogenen Emissionen. Sie betragen derzeit jährlich rund 30
Mrd. Tonnen. Davon gehen 75-80% auf die Nutzung fossiler
Energieträger (Kohle, Erdöl und Erdgas, einschließlich
Verkehr) zurück, ca. 15% auf Waldrodungen und ca. 5% auf die
Brennholznutzung in den Entwicklungsländern.
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- Dass ein solches Experiment des
Menschen mit der Atmosphäre das Klima ändern muss, ist
ebenfalls eine Tatsache (vgl. dazu "Stellungnahme der DMG zu
dem Grundlagen des Treibhauseffektes", Juni 1999). Die dadurch
bewirkte energetische Störung der Troposphäre (unteres
atmosphärisches Stockwerk bis ca. 10 Kilometer Höhe) in
Form des sog. Strahlungsantriebes durch alle sich akkumulierenden
langlebigen Treibhausgase wie CO2, CH4
(Methan), N2O (Lachgas) usw. beträgt seit
1750 ungefähr 2,5 Watt pro Quadratmeter (Wm-2). Dagegen bringt
es beispielsweise die Änderung des solaren Strahlungsflusses
(durch Sonnenaktivität u.a.) fluktuativ nur auf etwa 0,3 Wm-2.
Allerdings sind dies nur die direkten Antriebe, die von den
Rückkopplungen im Klimasystem modifiziert werden. Auch wenn es
noch immer größere Probleme und somit Unsicherheiten bei
der Berücksichtigung der Wolken- und Aerosoleffekte gibt,
einschließlich der Frage, in welcher Richtung die
verschiedenen Aerosoltypen das Klima beeinflussen, wird dies doch
weitgehend in sehr aufwendigen Klimamodellrechnungen berücksichtigt.
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- Diese Modelle kommen derzeit zu dem
Ergebnis, dass der Mensch über den anthropogenen
Zusatz-Treibhauseffekt die global gemittelte bodennahe
Lufttemperatur seit ca. 1860 bereits um rund 1 °C erhöht
hat, abzüglich dem im globalen Mittel kühlenden Effekt
durch die ebenfalls anthropogenen zusätzlichen Sulfataerosole
(Sulfatpartikel, die aus der Schwefeldioxid (SO2)
- Emission in die Atmosphäre stammen) sind es etwa 0,6 °C,
in guter Übereinstimmung mit dem beobachteten Trend. Ähnliches
ergibt sich auch aus der rein empirisch-statistischen Analyse der
Beobachtungsdaten. Somit stellen alle vorliegenden Studien zum
Problem der globalen Klimaänderungen, die verschiedene -
anthropogene wie natürliche - Ursachen berücksichtigen,
fest, dass der Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte sehr
wahrscheinlich von menschlichen Einflüssen dominiert ist.
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- Wenn nun die Emission von
Treibhausgasen weiterhin so stark ansteigt wie in den letzten
Jahrzehnten, könnte sich aufgrund entsprechender
Modellprojektionen die global gemittelte bodennahe Lufttemperatur in
den nächsten 100 Jahren um weitere 1,4 - 5,8 °C erhöhen.
Der gegenüber früheren IPCC-Abschätzungen wesentlich
höhere obere Wert dieser Unsicherheitsspanne (5,8 °C
gegenüber früher 3,5 °C) ergibt sich im wesentlichen
aus von Ökonomen entwickelten Szenarien anthropogener
SO2-Emissionen, die erheblich unter früheren Annahmen liegen.
Außerdem, wenn auch in geringerem Maß, kommt hinzu, dass
in zwei kürzlich durchgeführten Klimamodellrechnungen auch
die Reaktion der Biosphäre einbezogen worden ist, wobei eine
verstärkte Ausgasung von CO2 aus den Böden
auftritt. Sollten diese noch nicht genügend genau verstandenen
Effekte überschätzt sein und beispielsweise der dämpfenden
Wirkung der Bewölkung (ausgenommen Eiswolken, die
wahrscheinlich verstärkend wirken) größeres Gewicht
zukommen, fällt die Erwärmung wesentlich geringer aus.
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- Zu Überraschungen kann
weiterhin das Verhalten der Meeresströmungen beitragen. Ihre
Abschwächung, wie sie in einigen Modellrechnungen simuliert
wird, kann u.a. den Wärmetransport in die höheren Breiten
der Nordhemisphäre verringern, was beispielsweise in Europa die
Erwärmung geringer ausfallen lässt. Sehr langfristig,
nämlich für die Zeit nach 2100, besteht im Extremfall
sogar das Risiko eines Abreißens des Nordatlantikstroms, der
ein Ausläufer des Golfstroms ist. Dies könnte in dieser
Region, einschließlich Nordwesteuropas, den Erwärmungstrend
abrupt beenden und - ausgehend von dem bis dahin erreichten Niveau
der Erwärmung - eine relative Abkühlung nach sich ziehen.
Die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Vorgang lässt
sich allerdings noch nicht definitiv abschätzen. In der
Klimaforschung gibt es somit noch viele offene Fragen.
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- Andererseits gibt es aber auch
deutliche Parallelen zwischen Modellsimulationen und beobachteten
Trends, vor allem bei der Temperatur, aber auch beim
Meeresspiegelanstieg und - mit Einschränkungen - beim
Niederschlag. Der reiche Schatz an Erkenntnissen über
beobachtete und modellierte Klimaänderungen, der zur Zeit für
den dritten Statusbericht der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe des
IPCC zusammengetragen wird (Veröffentlichung des umfassenden
Berichts voraussichtlich im Mai 2001), liefert aber trotz der
genannten Unsicherheiten und offenen Fragen eine tragfähige
Grundlage für Klimaschutzmaßnahmen. Die
UN-Klimarahmenkonvention (Rio de Janeiro, 1992) kann damit
konkretisiert, das Kyoto-Protokoll (3. Vertagsstaatenkonferenz,
1997) umgesetzt werden. Dabei ist die darin angestrebte
Emissionsminderung einer Gruppe von Treibhausgasen um 5,2% bis
2008/2012 gegenüber 1990 (präzisiert in einem
Länderschlüssel, der die unterschiedlichen Beiträge
der einzelnen Industrieländer festlegt; Deutschland verspricht
im Rahmen der EU derzeit 21%) nur der Einstieg. Zur Stabilisierung
der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre, das zentrale
Ziel der UN-Klimarahmenkonvention, ist allein beim CO2
mindestens eine Halbierung der anthropogenen Emissionen notwendig.
Soll die Stabilisierung der Konzentration auf einem Niveau unterhalb
der Verdoppelung des vorindustriellen CO2-Gehalts
erreicht werden, muss die genannte Reduktion der CO2-Emission
bis spätestens zur Mitte dieses Jahrhunderts erfolgt sein.
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- Aufgrund der bereits beobachteten
Klimaänderungen, ihrer ursächlichen Interpretation und der
in Zukunft zu erwartenden Entwicklung unterstützt die Deutsche
Meteorologische Gesellschaft (DMG) diese Zielsetzung nachdrücklich.
Die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Klimaforschung
reichen zweifellos aus, um international abgestimmte, effektive und
baldige Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen. Politik, Wirtschaft
und Öffentlichkeit sind dazu aufgefordert, sich entschieden und
ohne Vorbehalte dafür einzusetzen. Gleichzeitig müssen die
wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Grundlage solcher Maßnahmen
bilden, durch weitere intensive Klimaforschung erweitert und
verbessert werden. Das Klima gehört zu den großen
langfristigen Herausforderungen unserer Zeit. Es verträgt keine
von der Tagespolitik und anderen Problemkreisen - auch wenn sie noch
so gravierend sind - überdeckte Kurzatmigkeit, sondern
erfordert ganz im Gegenteil besonderes Engagement und große
Ausdauer über längere Zeit, und das sowohl in der
Forschung als auch bei den Schutzmaßnahmen.
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-
- Ansprechpartner für den Inhalt
dieses Textes sind unter anderem
-
- Prof. Dr. Martin Claussen,
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Tel.: 0331-
288-2522, Fax: 0331-288-2600, E-mail: claussen@pik-potsdam.de
- Dr. Ulrich Cubasch,
Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg, Tel.:
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- Prof. Dr. H. Graßl,
Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg, Tel.: 040-
41173-225, Fax: 040-41173-350, E-mail: grassl@dkrz.de
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für Meteorologie und Klimaforschung des Forschungszentrums
Karlsruhe, Tel.: 07247-82-3644, Fax: 07247-82-4742, E-mail:
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- Prof. Dr. Stefan Rahmstorf,
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Tel.: 0331-288-2688,
Fax: 0331-288-2570, E-mail: rahmstorf@pik-potsdam.de
- Prof. Dr. Christian-D. Schönwiese,
Institut für Meteorologie und Klimatologie der Universität
Frankfurt/Main (zugleich Entwurf und Koordination dieses Papiers),
Tel.: 069-798-23578, Fax: 069-798-22482, E-mail:
Schoenwiese@meteor.uni-frankfurt.de
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- Für die Deutsche
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- Prof. Dr. Werner Wehry,
DMG-Vorsitzender, Institut für Meteorologie, Freie Universität
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- Dipl.-Met. Arne Spekat,
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Berlin, Carl-Heinrich-Becker-Weg 6-10, 12165 Berlin, Tel.:
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